Bergauf glüht der Motor, bergab die Bremsen

von | 07.03.18

Alt soll er sein. Und Charakter haben. Christoph und Claudia kaufen einen Mercedes 407 D. Untermotorisiert, dafür signalrot. Sie taufen ihn Hugo und fahren los. Von Zeven nach Novy Grad nach Venedig nach München und zurück. Ein Roadtrip mit Herausforderungen.

„Wenn ich gewusst hätte, wie steil das ist“, seufzt Christoph Schiming, „hätte ich ihn nicht so gequält.“ Die Kassler Berge kosten Kraft. Aber sie sind nichts als sanfte Hügel im Vergleich zum Obersalzberg. Hugo schnauft und schwitzt, stinkt nach Glykol und Öl. Doch er klettert weiter. Erst im dritten Gang. Dann im zweiten. Zum Schluss im ersten. Vollgas mit 6 km/h. Oben angekommen, streichelt Christoph seinem Hugo sanft übers Blech und entschuldigt sich.

Hugo ist ein sogenannter DüDo, ein Düsseldorfer Transporter, ein Mercedes 407 D. Das Motörchen ein 2,4-Liter-Reihenvierzylinder, 65 PS, aus dem Strich-Acht. Bis zur Jahrtausendwende arbeitet Hugo im Hannoveraner Katastrophenschutz. Anschließend übernimmt ihn die Feuerwehr und lackiert ihn signalrot. 2009 bekommt er während einer Blaulichtfahrt einen Treffer ab und wird ausgemustert.

Der Mercedes 407 D wird ein Camper

Ein Feuerwehrmann nimmt ihn mit nach Hause und peppelt ihn auf. Hugo ist da bereits 27 Jahre alt. Der Feuerwehrmann schreinert eine Küche, die hinter dem Rolltor am Heck sitzt, und zerschneidet eine Matratze, die er abends zu einem Bett puzzelt. Hugo fühlt sich wohl beim Feuerwehrmann. Er beginnt sein zweites Leben – als Camper. „Wenn Camper, dann muss es ein Oldtimer sein. Für mich hat jedes Auto ´ne Seele. Wenn Hugo Geschichten erzählen könnte!“, sagt Christoph. Gemeinsam mit Freundin Claudia Feldmann übernimmt er Hugo im Mai 2016. Der Energieanlagen-Elektroniker bringt die Elektronik auf Vordermann, während die selbständige Mediengestalterin am Interieur tüftelt.

Die schrillen Drei auf Achse

Dann endlich sind die schrillen Drei auf Achse. Die erste Tour führt sie von Zeven nach Oberstdorf, auf den Obersalzberg weiter nach Novy Grad in Kroatien. Sie verschnaufen drei Tage an der Adria und genießen die Meeresbrise in erster Reihe. „Mit so einem Wohnmobil wird man nicht nur positiv angekuckt“, sagt Claudia. Alte Autos, selbst so charmante wie Hugo, finden nicht überall Freunde. Hugo hat alles gut überstanden. Langsam wird es Zeit für seinen Winterschlaf. Bald schlummert der Mercedes 407 D in einer Scheune neben einem Ford F-100, einem Ford 17 M und einem Opel Rekord C. Er wird nicht einsam sein. Und wo geht es nächstes Jahr hin? Claudia lacht. „Wir müssen Hugo fragen, wo er hinmöchte!“ Und es ist, als könnte ich Hugo flüstern hören: „Alles, nur keine Berge mehr“.

Im Frühjahr 2018 fährt Hugo nach Skandinavien. Verfolgt das Abenteuer auf Hugos Instagram-Account.

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1 Kommentar

  1. Wahrscheinlich gab es die Blicke hauptsächlich am Ende des Aufstiegs mit 6km/h 🙂
    Mal im Ernst, ich finde es traurig, dass es oft Vorbehalte gegen alles mögliche gibt. Leben und Leben lassen ist viel schöner. Und ein Leben mit alten Autos allemal!

    Antworten

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