Chrysler Royal C34 – Dieter und sein Walbaby

von | 25.02.18

Ein Kotflügel, so wohlgeformt wie die Rundungen eines Vollweibs. Dieter ist sofort verknallt. Aus diesem Kotflügel lässt sich was machen, das fühlt er. Denn eigentlich ist der alte Chrysler Royal C34 ein Wrack. Zustand 6, vielleicht schlechter.

Es ist 1991. Dieter ist 25 Jahre alt und besessen davon, nicht nur den Kotflügel, sondern auch den Rest des Fahrzeugs zu kaufen. Der Händler sträubt sich. Er will den Schrott noch ein wenig reifen lassen. Hofft, dass sein Wert in ein paar Jahren steigt. Doch Dieter ist zäh. Drei Jahre lang belagert er den Verkäufer. Und als der plötzlich finanzielle Probleme hat, geht der Chrysler Royal C34 schließlich für 12.000 DM über den Tisch.

Vom Wrack zum Kultmobil

Von der Historie des Fahrzeugs sind nur Fragmente bekannt. Dieters Chrysler Royal C34 stammt aus dem Jahr 1942 und ist einer der letzten von insgesamt 479 Stück. Im Frühjahr 1942 erreichte der Zweite Weltkrieg die USA. Chrysler stoppte die Fahrzeugproduktion und konzentrierte sich ganz auf die Rüstungsindustrie.

Im Bug des Chrysler Coupés arbeitete ursprünglich ein Reihensechszylinder mit Seitenventilsteuerung von Spitfire. In den späten 1950ern dann mutierte der Royal C34 zum Rennwagen. Er erhielt einen Small Block von Chevrolet und ein vollautomatisches Getriebe, ebenfalls von GM. Um das Gesamtgewicht zu reduzieren, wurden sämtliche überflüssigen Teile rausgerissen, in den Innenraum ein Käfig gequetscht. Dann fuhr er Rennen. Bis zum Exitus. Und in diesem Zustand kauerte er 1991 im Verkaufsraum des deutschen Händlers.

550 PS und Porno im Innenraum

„Da is´ ein modifizierter Chevrolet Small Block aus dem Opel Diplomat drin“, nuschelt Dieter und kaut auf seinem Butterbrot. Der Front-Mittelmotor ist durch die Erweiterung der Stirnwand hinter die Vorderachse gewandert. Das sei besser für Schwerpunkt und Fahrsicherheit. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Fünf-Gang-Automatik-Getriebe von GM. Das Fahrwerk ist überarbeitet, der Vorderachsaufbau stammt aus einem 1976er Camaro, die Hinterachse wiederum von GM. Der Spruch ‚Probleme mit der Ersatzteilversorgung‘, den Youngtimer-Fahrer mantramäßig vor sich her beten, ist in Dieters Wortschatz nicht enthalten. Die ausladenden Türen sind hinten angeschlagen und die hinteren Kotflügel um je 20 cm in die Breite gewachsen.

Die beiden Opel GT-Sitze sowie die verkürzte Rückbank sind mit feinstem rotem BMW-Leder überzogen. Der überdimensionierte Wählhebel ist einzig der Optik wegen so lang. Der Käfig wurde zurückgerüstet auf einen Überrollbügel und ist damit H-Kennzeichen-konform. Zierblenden, Armaturen und das Lenkrad stammen aus einem Opel Kapitän. „Da waren noch Teile übrig.“ Dieter grinst. Denn eigentlich ist er ja leidenschaftlicher Kapitän-Schrauber.

Bereits mit 17 Jahren restaurierte er seinen ersten Opel. Er hatte sie alle, von Kapitän über Admiral bis hin zum Diplomat V8. Sein nächstes Projekt ist ein Dragster auf Basis eines Schlüsselloch-Kapitäns, Baujahr 1958, mit dem er Achtel- und Viertelmeilerennen fahren will. Sein Walbaby will er dafür verkaufen.

Freiwillig zahlen

Dieser Text hat dir gefallen?
Du kannst dafür bezahlen.
Warum?

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Du möchtest einen Kommentar hinterlassen? In der Datenschutzerklärung findest du eine Auflistung der Daten, die bei einem Kommentar gespeichert werden. Mit Abschicken deines Kommentars akzeptierst du dies.

Keep it rollin´

 

Abonniere meinen Newsletter und erhalte eine E-Mail,
wenn ich neue Artikel veröffentliche oder Neuigkeiten
mit dir teilen möchte.

Ich freue mich, dich als neuen
Stammleser begrüßen zu dürfen!

Vielen Dank für dein Abonnement! Du erhältst nun eine E-Mail, in der du nur noch auf den Link klicken musst, um zukünftig meine Newsletter zu erhalten (Double-Opt-In-Verfahren). Keine E-Mail bekommen? Dann sieh´doch bitte auch einmal im SPAM-Ordner nach.