Es war Liebe auf den ersten Blick. Wie viele Kilometer der orangefarbene VW T2 a/b schon gelaufen ist und was er alles erlebt hat, das können wir nur erahnen. Wichtig ist, was er heute noch bewirkt. Alberto Gatti, sein glücklicher Besitzer, erzählt die Geschichte eines ganz besonderen Bullis.

Seine allererste Reise unternahm der Bulli nicht auf eigener Achse. Es war Herbst 1972, als er als Neuwagen von Hannover nach Verona transportiert und kurze Zeit später nach Udine verkauft wurde. Dort blieb er fast 30 Jahre, spulte viele Kilometer ab, sein fünfstelliger Kilometerzähler knackte vermutlich mehr als einmal die 100.000. 2013 kaufte ihn ein junger Mann aus Livigno, der ihn als Werbemittel für seine Brauerei nutzte. Drei Jahre später brachte er ihn in eine VW-Werkstatt nach Monza, wo ihn Mama Gatti entdeckte. Der Bulli, sagte einer der Mechaniker, stünde zum Verkauf.

VW T2ab Seite

Ihr Sohn Alberto wünschte sich genau so einen Bulli. Die Liebe zu VW bekam er in die Wiege gelegt, sein Vater war fast 30 Jahre lang Marketing Manager in einem großen VW-Autohaus in Monza. Schon als kleiner Junge streifte Alberto durch den Showroom und nahm auf verschiedenen Fahrersitzen Platz. Nach seinem Abitur hätte er im gleichen Autohaus wie sein Vater arbeiten und eine Ausbildung zum Automobilkaufmann absolvieren können, doch Alberto wollte seinen eigenen Weg gehen.

Alberto Gatti uns sein VW T2ab
V2 T2 Küche

Ein Bulli muss es sein

Er zog nach Berlin, schloss eine Ausbildung im Medienmanagement ab. Die Liebe zu VW aber blieb, besonders die alten Campingwagen hatten es ihm angetan. Bald suchte er einen Bulli mit originaler Westfalia-Innenausstattung, Aufstelldach, Küche und Bett. Das Ganze in gutem Zustand und möglichst ohne Rost, so etwas ist heute entweder selten zu finden oder nicht mehr zu bezahlen.

Also zurück in die Autowerkstatt in Monza: Alberto Gatti kaufte den orangefarbenen VW T2 a/b, eine Art Zwischenmodell, das nur im Jahr 1972 gefertigt wurde, und schwärmt: „Er ist kleiner als ein Passat, und trotzdem hat man alles, was man braucht. Der Grundriss ist clever, anders als bei modernen Fahrzeugen“. Alberto fährt mit seinem Transporter nicht nur in Urlaub, sondern auch zur Arbeit und zum Supermarkt, hilft Freunden beim Umzug, und scherzt, dass er immerhin einen Schlafplatz habe, sollte die Wohnungsnot in Berlin größer werden.

Sein auffälliger Bulli zieht die Blicke auf sich und sorgt für Freude unter anderen Verkehrsteilnehmern. Während der dreitägigen Fahrt von Monza nach Berlin geriet Alberto in eine Vollsperrung und verkaufte besten italienischen Rotwein an seien Leidensgenossen. Während er in Berlin an einer roten Ampel wartete, sah er auf dem Gehweg ein kleines Kind, das bitterlich weinte. Die Eltern deuteten auf den orangenen VW T2 a/b und das Kind lachte wieder. Alberto stellt fest: „Ich habe einen sehr nützlichen Bus“.

Er taufte ihn VWanGogh, nach dem Künstler Vincent van Gogh, der einen orangeroten Bart hatte und „auch irgendwie crazy“ war. Einzig die Motorleistung von 50 PS könne verbessert werden, da er auf Reisen häufig von LKW überholt werde. Am Liebsten unternimmt Alberto Roadtrips durch Skandinavien oder Norditalien, nicht zu weit, weil die Zeit knapp ist und der Bulli langsam. Doch er habe auch dazugelernt: „Jetzt ist nicht mehr das Ziel wichtig, sondern vor allem die Reise“.

Besucht Alberto und seinen VW T2 a/b auf Instagram:

VWanGogh auf Instagram

VW T2ab Heck

Datenblatt des VW T2 a/b

VW T2 Westfalia
  • Marke und Modell: Volkswagen T2 a/b Westfalia
  • Baujahr: 1972
  • Erstzulassung: 1972
  • Motor: 4-Zylinder luftgekühlt
  • Hubraum in ccm: 1600 ccm
  • PS (kW): 50 PS
  • Höchstgeschwindigkeit: 105 Km/h
  • Länge / Breite / Höhe in mm: 4505mm / 1540mm / 2055mm
  • Gewicht leer und max.: 1475 kg / 2250 kg
  • Gekauft am 6. Februar 2016 für 15.000 Euro

Bilder: Alberto Gatti

Trinkgeld einwerfen

Dieser Beitrag hat dir gefallen?
Du kannst meine Arbeit unterstützen.
Warum?

Weiterlesen

Olaf und sein Big-Size Motorhome

Gesucht: Der Ford Bronco meines Vaters.

Klaus Därr – Wenn die Wüste ruft