Der Älteste im Fuhrpark: Audi V8 4.2

von | 24.11.18

In meiner neuen Rubrik „Fuhrpark“ möchte ich euch mit in meine Garage nehmen. Hier schreibe ich über die eigenen Pferdchen im Stall, Schraubereien, Nervenzusammenbrüche und andere Erlebnisse.

 

Los geht´s mit dem Audi V8, dem Ältesten im Fuhrpark: 

Modellbezeichnung: Audi V8

Motorisierung: 4.2-Liter-V8 mit 280 PS

Modelljahr: 1992

Gekauft: 2008 (mit 175.000 km)

Laufleistung aktuell: 246.000 km

Entwicklungsgeschichte

Ferdinand Piëch bezeichnet den Audi V8 als die „erste Runde“, als Pionier für den erfolgreichen Audi A8. Piëch ist die treibende Kraft des Projekts „Luxus-Audi“. Er will nichts Geringeres als einen V8-Motor in seiner neuen Oberklasse. In seiner Biographie „Auto. Biographie“ von 2002 schreibt er: „Mehr Zylinder sind offenbar durch nichts zu ersetzen. Ich wollte nicht den Fehler machen, die Oberliga mit einem zu kleinen Motor zu eröffnen. Wir einigten uns darauf, im Konzern einen V8-Motor samt passendem Getriebe und erst in der zweiten Runde eine komplett neue Karosserie zu entwickeln. Das sollte der A8 sein“.

Dennoch soll der Audi V8 zunächst eine eigenständige Karosserie erhalten. Doch VW legt Einspruch ein und sieht hierfür keinen Bedarf. Er wird also auf Basis des Audi 100 C3 entwickelt. Tatsächlich aber sind mehr als 90 Prozent der Karosserie eine Neuentwicklung: Der komplette Vorderwagen wird neu konstruiert, außerdem hat das Fahrzeug eine breitere Spur, stärker ausgestellte Kotflügel, unterschiedliche Front- und Heckstoßfänger, einen neuen Armaturenbrettträger sowie einen breiter gestalteten Mitteltunnel.

Alle Audi V8 werden im Großen und Ganzen in Handarbeit produziert. Die Komplettmontage eines Audi V8 nimmt eine Woche in Anspruch und erfolgt in Gruppenarbeit. In den Jahren von 1988 bis 1994 entstehen so etwas mehr als 22.500 Fahrzeuge.

Das nervt

Nach zehn Jahren Alltagsbetrieb kann ich sagen, dass sich die Macken des Audi V8 wirklich in Grenzen halten: Die Kurbelgehäuseentlüftungsschläuche lösen sich gerne mal in Wohlgefallen auf. Außerdem hat mein Audi V8 seine Lambda-Sonde zum Fressen gern. In der Regel tausche ich diese alle zwei Jahre aus. Elektrikprobleme können einen in den Wahnsinn treiben. Neuralgische Punkte sind meiner Erfahrung nach vor allem das Kombiinstrument (Stichwort: kalte Lötstellen) und die Zentralverriegelungspumpe (die macht einen mürbe, glaubt mir, vor allem, wenn man das Problem noch nicht kennt).

Häufig wird die schlechte Ersatzteilversorgung erwähnt. Ich möchte das gerne ein wenig relativieren. Erstens ist dieses Fahrzeug in einer wirklich geringen Stückzahl gefertigt worden. Zweitens sieht die Ersatzteilversorgung heute schon etwas besser aus als beispielsweise noch vor fünf Jahren. Bei Audi Tradition liegen sogar noch einige Schätze auf Lager. Die Wahrheit ist auch, dass viele nicht bereit sind, die teils hohen Kosten für diese Ersatzteile zu bezahlen.

Das gefällt

Die Wertigkeit dieser ersten Oberklasse von Audi. Wie in der gesamten Typ-44-Reihe hat man hier wirklich aus den Vollen geschöpft. Bestes Leder, Wurzelholz, die gelungene Kombination aus einer seidenweichen Vier-Stufen-Automatik, dem kräftigen V8-Motor und dem quattro-Antrieb sowie das damals viel verspottete Understatement machen den Audi V8 für mich bis heute zu einer der schönsten und perfektesten Limousinen.

Und das ist Ferdinand Piëch zu verdanken: Er wollte damals eine innovative Luxuslimousine mit einer Betriebssicherheit mit mindestens 300.000 km. Heute wissen wir: das können viele Audi V8, die regelmäßig gewartet werden, locker übertreffen. Und das eigens verstärkte ZF-Getriebe 4HP24A schafft teilweise sogar mehr als 500.000 km.

Warum ich den Audi V8 so liebe, beschreibe ich auch in meinem Text Gedanken über Liebe und Trennung.

Kurioses

Die Bremse

Weil die 15-Zoll-Räder beibehalten werden sollen, einigt man sich auf die innenumgreifende Scheibenbremse FR2. Doch die Entwicklung und Herstellung der von uns liebevoll genannten „UFO“ ist teuer. Audi wird der einzige Hersteller bleiben, die diese Bremse an seinen Fahrzeugen verbaut. Dennoch soll die ATE-FR2 zu ihrer Zeit die weltweit leistungsfähigste Bremse ihrer Größe gewesen sein.

 

Die Typenbezeichnung

Der Audi V8 trägt die Typenbezeichnung „D1“ und nicht „D11“, wie es weit verbreitet ist. Warum sich „D11“ durchgesetzt hat, könnte an dem Eintrag „D 1.1“ im Fahrzeugschein liegen. Vermutlich dachte man bei Audi damals über einen zweiten, technisch und optisch veränderten Audi V8 nach, sozusagen eine Version 1.2.

Fazit

Der Audi V8 ist das beste Auto, das ich je besessen habe – und vermutlich besitzen werde. Auch wenn unser gemeinsamer Weg streckenweise schon sehr steinig war. Ein Nachteil: Der Unterhalt ist teuer, vor allem, was Reparaturen und Ersatzteile betrifft. Wer das verschmerzen kann und einen wahren Pionier der Automobilgeschichte fahren möchte, der sollte sich noch einen zulegen. Die alten Luxusliner werden langsam teuer – zurecht. 

Datenblatt des Audi V8 4.2

  • Leistung: 280 PS (206 kW) / 5800 U/min
  • Drehmoment: 400 Nm / 4000 U/min
  • Zylinder: 8
  • Hubraum in cm3: 4172
  • Gemischbildung: Motronic
  • Kraftstoff: Super Plus (oder Super)
  • Höchstgeschwindigkeit: 249 km/h
  • 0 – 80 km/h in sec: 5,2 (Automatik), 4,5 (6-Gang)
  • 0 – 100 km/h in sec: 7,7 (Automatik), 6,8 (6-Gang)
  • Verbrauch bei 90 km/h in Litern: 9,2 (Automatik), 8,9 (6-Gang)
  • Verbrauch bei 120 km/h in Litern: 11,0 (Automatik), 10,7 (6-Gang)
  • Verbrauch im Stadtverkehr in Litern: 17,5 (Automatik), 17,8 (6-Gang)
  • Ölverbrauch: 1 – 1,5 Liter auf 1000 km
  • Länge in mm: 4874
  • Breite in mm: 1814
  • Höhe in mm: 1420
  • Radstand in mm: 2703
  • Überhang in mm: 1060 (vorn), 1111 (hinten)
  • Spurweite in mm: 1514 (vorn), 1531 (hinten)
  • Wendekreis in m: 11,5
  • Leergewicht in kg: 1710
  • Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2310

Die anderen

Im „Fuhrpark“ findet ihr außerdem noch den Alltagshobel, einen Volvo V70 I, sowie den zweiten Exoten im Stall, einen Volvo 850 T-5.

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